Textilien aus recycelten PET-Flaschen

 

Plastik – das Wundermaterial, das modernes Leben ermöglicht hat, ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Kunststoff. Es wird künstlich hergestellt und überwiegend aus nicht-erneuerbaren Rohstoffen Erdöl und Erdgas gewonnen. Es ist leicht, elastisch, langlebig, günstig und nach Wunsch in verschiedenen Härtegraden, Formen und Farben herstellbar.

1. Wo wird Plastik zum Problem?

Die weltweite Gesamtproduktion von Plastik lag 2018 bei ca. 359 Millionen Tonnen, von denen über 40 Prozent zum Einmalgebrauch bestimmt waren. Das meiste davon ist nicht biologisch abbaubar, es verrottet nicht wie Papier oder Lebensmittel und kann stattdessen Hunderte von Jahren in der Umwelt verbleiben und dabei bedauerliche Schaden anrichten.

Der Mensch hat seit Beginn der großtechnischen Produktion der synthetischen Materialien in den frühen 1950er Jahren weltweit ca. 8,3 Milliarden Tonnen Plastik hergestellt. Laut offiziellen Statistiken gelangen davon jedes Jahr 8 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere und Ozeane, zusätzlich zu den geschätzten 150 Millionen Tonnen, die derzeit in Meeresumgebungen schon zirkulieren. Wenn wir dieses Tempo beibehalten, wird es bis 2050 mehr Plastik als Fische im Ozean geben. Plastik wurde schon in 60 Prozent aller Seevögel und 100 Prozent aller Meeresschildkrötenarten gefunden, weil sie Plastik mit Nahrung verwechseln. Es ist zu betonen, dass die Plastikverschmutzung am deutlichsten in Entwicklungsländern Asiens und Afrikas zu erkennen ist, in denen Müllsammelsysteme häufig ineffizient oder sogar gar nicht vorhanden sind.

Natürlich landet nicht aller Plastikmüll automatisch in der Natur. Üblicherweise wird unsortierter Restmüll, um ihn in irgendeiner Weise zu „verarbeiten“, verbrannt. Dabei entsteht jedoch CO2. Da das Treibhausgas den Klimawandel weiter vorantreibt, ist dies ebenfalls keine akzeptable Alternative.

 

2. Lösung für die nachhaltige Bewirtschaftung der Plastikabfälle

Da ein radikaler Verzicht auf Plastik (noch) nicht in Sicht ist, stattdessen weltweit Jahr für Jahr ein ansteigender Trend sowohl in der Plastikproduktion als auch im Konsum zu verzeichnen ist, braucht es einen anderen Weg, um die immensen Mengen von Plastik nachhaltig zu bewirtschaften.

Eine geniale Lösung ist es, das nutzlos gewordene Plastik als Rohstoff anzusehen. So werden beispielsweise gebrauchte PET-Flaschen in einem Recycling-Prozess gewaschen, zerkleinert, eingeschmolzen und in eine neue Form gebracht und erhalten dadurch ein weiteres Leben.

Die Grundlage dafür ist das gezielte Sammeln der gebrauchten PET Behälter. Nur so können sie am PET-Kreislauf teilnehmen und klimafreundlich verwertet werden.

Neben neuen PET-Flaschen wird zunehmend auch das noch recht unbekannte rPET hergestellt. rPET steht für recyceltes Polyethylenterephthalat. Damit daraus am Ende Textilien entstehen können, wird das eingeschmolzene PET zu dünnen Fäden weiterverarbeitet. In der weiteren Textilproduktion kann es anschließend vielseitig eingesetzt werden und überzeugt zudem als sehr leichtes, formstabiles und wasserabweisendes Material.

rPET Material ist genauso gut wie der sogenannte primäre (virgin) Polyester, benötigt jedoch weniger Ressourcen für die Herstellung. Die Produktion von rPET spart gegenüber der Produktion von neuem Polyester erhebliche Mengen Wasser und Energie.

3. rPET als umweltfreundliche Alternative für Textilien

Auch im Vergleich zu konventioneller Baumwolle, kann rPET als eine großartige und nachhaltige Alternative gesehen werden. Besonders, wenn wir über geringeren Wasserverbrauch sprechen. Nach offiziellen Statistiken werden ca. 2700 Liter Wasser für die Herstellung eines T-Shirts aus konventioneller Baumwolle benötigt. Dies entspricht der Wassermenge, die eine durchschnittliche Person in 2,5 Jahren trinkt. Bei der Herstellung von Polyesterfasern aus PET-Plastikflaschen wird bis zu 25-mal weniger Wasser benötigt, als beim Anbau von Baumwolle.

rPET trägt dazu bei, wertvolle und immer knapper werdende Erdöl- und Erdgas-Ressourcen zu schonen, indem kein neuer Polyester hergestellt werden muss. Das schweizerische Bundesamt für Umwelt schätzt, dass die Produktion von rPET die CO2-Emissionen im Vergleich zu normalem Polyester um 32 Prozent senken wird.

Zudem reduziert das Recycling von PET Flaschen die Auswirkung auf das Klima gegenüber dem Verbrennen um bis zu 75%.

Fazit

rPET ist in mehrfacher Hinsicht eine geniale Lösung: Es bietet zumindest teilweise einen Weg, den enormen Berg an Plastikabfällen sinnvoll zu nutzen. Je mehr wir durch PET-Rückgabe das ökologische Kreislaufsystem von Produkten unterstützen, desto weniger landet Plastik als nicht biologisch abbaubarer Müll in der Umwelt oder belastet durch die bei der Verbrennung ausgestoßenen Treibhausgase unser Klima.

Zudem werden bei der Produktion von Textilien wertvolle Ressourcen wie Wasser, Energie, Erdöl oder Erdgas geschont, was rPET zu einer umweltfreundlichen Alternative zu den meisten derzeit auf dem Textilmarkt anzutreffen Stoffen macht.

Natürlich hat das Recycling von Kunststoff seine Grenzen und eine „perfekte“ Lösung für die Herstellung der Textilien gibt es noch nicht. Sowohl die immer beliebtere Bio-Baumwolle als auch rPET-basierte Textilien können nicht vollkommen umwelt- und schadstoffneutral hergestellt werden. Dennoch sind sie insgesamt den herkömmlich hergestellten Textilien schon deshalb vorzuziehen, weil sie die Belastung für Mensch und Umwelt deutlich reduzieren.

Die NGO Made-by hat vor ein paar Jahren am häufigsten verwendeten Fasern in einer Studie auf ihre Umweltauswirkungen verglichen (s. Abbildung)

textilien aus rpet

Verwendete Quellen:
BBC, 17.03.2020, What is the problem with plastic?
Buy Good Stuff, 2016, Neue ökologische Chemiefasern
Common Objective, Made-By Environmental Benchmark for Fibres
Green Story 15.05.2019, Selecting Sustainable Fibers
National Geographic, 07.06.2019, The world’s plastic pollution crisis explained
PLASTIKATLAS 2019, BUND Friends of the Earth Germany und Heinrich Böll Stiftung
Virtuelles Wasser, Durstige Güter
ZEIT, 06.06.2019, Nur ein Bruchteil des Plastikmülls wird wiederverwendet